Ein Land, sechzehn Schulsysteme

Das föderalistische System Deutschlands ist eine europäische Besonderheit. Zwar sind auch andere Länder Europas in mehrere Regionen aufgeteilt, aber die Macht der einzelnen Bundesländer ist in anderen, zentralistisch organisierten Ländern undenkbar.

Die starke Stellung der Länder ist vor allem historisch begründet. Doch sie hat Auswirkungen auf den Alltag der Bürger. Ein besonders prägnantes Beispiel dafür, dass jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kocht, kann in der Schulpolitik besichtigt werden. Hier gibt es wenig Einheit, und Schüler, die von Bremen nach Bayern ziehen, haben in der Regel sehr schlechte Karten. Immer wieder wurde ein bundeseinheitliches Abitur ins Gespräch gebracht, hatte bisher jedoch nie Erfolg. Dabei spräche einiges für mehr Gemeinsamkeiten in der deutschen Schulpolitik. Zum einen ist es für Schüler schlicht unfair, wenn sie eine Klasse wiederholen müssen, nur weil die Familie von Nord- nach Süddeutschland gezogen ist.

Beim späteren Studium haben hingegen Abiturienten aus den südlichen Bundesländern schlechtere Karten. Denn da die Prüfungen hier deutlich schwerer sind, sind die Noten häufig auch schlechter. Die Universitäten unterscheiden jedoch nicht, ob ein Abitur in Bayern oder Berlin gemacht wurde, sondern gehen in einigen besonders begehrten Studiengängen, wie beispielsweise Medizin, strikt nach NC (Numerus Clausus), indem die Anzahl der verfügbaren Studienplätze limitiert ist.