Teil der deutschen Staatsräson: die besondere Beziehung zu Israel

Der Holocaust war ein unvorstellbares Verbrechen, das die Welt auf vielfältige Weise veränderte. Es war ausgesprochen schockierend zu erfahren, was die Deutschen den europäischen Juden antun konnten. Das Verbrechen der Nazis sorgte auch dafür, dass die wenigen überlebenden Juden mit Israel endlich einen eigenen Staat erhielten, wo sie sich in Sicherheit fühlen wollten.

Das Israel der Nachrichten

Wer das kleine Land nur aus den Nachrichten kennt, bekommt schnell den Eindruck, dass dort permanent Kriegszustand herrscht. Die Berichterstattung ist geprägt von Anschlägen und dem stets schwelenden Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Die Lage Israels war nie einfach und verbesserte sich in den letzten Jahren aus unterschiedlichsten Gründen nicht unbedingt. Wenn die israelische Führung sich von Feinden umzingelt sieht, ist dies nicht Paranoia, sondern fußt auf der Tatsache, dass zahlreiche Nachbarn dem kleinen Staat das Existenzrecht absprechen.

Für Deutschland hingegen gehören gute Beziehungen mit Israel zur Staatsräson. Dies bedeutet nicht, dass keine Kritik geübt werden kann. Beispielsweise an der Siedlungspolitik der israelischen Führung, die langsam, aber unbeirrbar Tatsachen schafft. Gleichzeitig sollte niemals vergessen werden, in welch prekärer Situation Juden sich auch heute wiederfinden. Der Antisemitismus zeigt weltweit sein hässliches Gesicht, und die Tatsache, dass Juden in Israel eine Heimat haben, ist heute wichtiger denn je.

Das Jerusalem der Religionen

Viele Deutsche bezeichnen sich nicht als gläubig, selbst wenn sie Mitglied der katholischen oder evangelischen Kirche sind. Daher erscheint der Eifer, mit dem sich Christen, Muslime und Juden seit Jahrzehnten um die Heiligtümer in Jerusalem streiten, vielen befremdlich. Gleichzeitig reisen jedes Jahr tausende Menschen, auch Deutsche, in die biblische Stadt Jerusalem, um den Leidensweg Christi nachzuwandern, den Ölberg oder die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem zu besuchen. Auch Bethlehem ist ein beliebtes Ziel. Wer heute die Geburtskirche besuchen will, muss jedoch das israelische Staatsgebiet verlassen, da heute der Geburtsort von Jesus im palästinensischen Autonomiegebiet Westjordanland liegt.